Komm zur Bestimmung

Kennst du das – dieses Gefühl, nicht mehr zu wissen, was richtig ist, und einfach nur abzuwarten, was kommt?

Ich weiß gerade auch nicht, was kommt.

Wird es besinnlich? Wer kommt in mein Leben? Wie wird das neue Jahr?

Konfrontation statt Kontrolle

Vielleicht ist das gerade das große Thema – nicht nur bei mir, sondern bei vielen von uns.
Wir glauben oft, dass Kontrolle Sicherheit bringt.
Dabei spüren wir tief drin, dass es eher ein Festhalten ist, ein Zerren, ein K(r)ampf.

Und es kostet Kraft.

Konfrontation dagegen bedeutet:
hinsehen, fühlen, wahrnehmen, ohne sofort eingreifen zu müssen.
Es ist ehrlicher. Es ist mutiger. Und gleichzeitig viel unbequemer.

Aber genau da beginnt Veränderung. Nicht beim Halten – sondern beim Hinsehen.
Nicht beim Steuern – sondern beim Zulassen.

Kennst du dieses stille Ringen zwischen „Ich will es festhalten“ und „Ich lasse es einfach passieren“.
Aber jedes Mal, wenn ich loslasse und die Dinge nehme, wie sie sind, passiert etwas Interessantes: Ich fühle mehr – und ich sehe klarer.

Und genau in diesem Raum entsteht etwas Neues.
Dort, wo ich nicht kontrolliere, sondern wahrnehme.
Dort, wo ich mich dem Leben stelle, statt es zu managen. Und überrascht werde.
Dort, wo ich mich konfrontiere – ohne zu kämpfen und gleichzeitig entspanne.

Vielleicht ist das der eigentliche Weg zu mehr Ruhe, Leichtigkeit, Widerstandskraft und Kreativität:
weniger kontrollieren, mehr begegnen.

Und wir dürfen auch uns wieder stärker begegnen und die Welt damit bereichern, was wir zu geben haben. Wenn wir etwas tun, was uns glücklich macht, strahlen wir das aus und unsere Hingabe steckt die anderen womöglich gleichzeitig mit Gelassenheit und Freude an.

Vielleicht ist das schon ein Ausdruck von Integrität.
Denn Integrität heißt auch, dem zu begegnen, was wirklich da ist, ohne es wegzudrücken oder anders haben zu wollen.

Wenn ich ehrlich zu mir bin – wirklich ehrlich – entsteht automatisch mehr Raum für Kreativität.
Nicht, weil ich perfekt bin, sondern weil ich integer bin.
Weil ich nichts vortäusche.
Weil ich nicht so tue, als wäre alles klar.
Sondern weil ich mich zeige, wie ich bin.

Integrität ist vielleicht die Leichtigkeit, die entsteht, wenn nichts Verstecktes mehr zwischen mir und meinem Ausdruck steht.

Was ich auch gelernt hab ist, dass der Mut etwas größer sein muss als die Angst (vor der Zukunft oder etwas Neuem). Mit jeder neuen Situation, die wir außerhalb unserer Komfortzone bewältigen, erweitert sich unser Horizont und wir entwickeln uns weiter. Das ist ein schönes Gefühl.

Wir wissen auch: Nicht jeder Plan geht auf. Das Leben macht gern, was es will. Im Rückblick verstehen wir meistens, warum und dass unser Plan nicht der Beste war. Also: Warum nicht einfach mal Plan B vertrauen und schauen, was passiert?

Could it be magic?

Was haben wir zu verlieren? Was ist das Schlimmste, was passieren kann?

Loslassen ist schwer.
Hinsehen ist schwerer.
Aber genau dort beginnt Freiheit – und Kreativität.


Heute fiel ein Kundentermin aus. Und statt mich zu ärgern, habe ich mir zwei freie Stunden gegönnt – ohne schlechtes Gewissen!
Diese Freiheit hat mich zurück an meinen Blog gebracht.

Naja… und auch mein neues „Knochenkissen“, auf dem man herrlich liegend schreiben kann.
Aber das Entscheidende war etwas anderes: Jemand, der hier gerne liest, hat – nach einer persönlichen Krise – Kontakt zu mir aufgenommen. Wir waren heute frühstücken, haben stundenlang geredet und uns zugehört. Mit einem eigentlich fremden Menschen.
Das war… magisch.

Es zeigt mir, dass das, was ich hier teile, nicht umsonst ist. Dass es auch anderen guttut. Manchmal jedenfalls.
Danke dafür. Es hat mich ermutigt, wieder zu schreiben.

Und dann war da noch etwas Wertvolles: Langeweile.
Wann hast du das letzte Mal länger als ein paar Sekunden Langeweile ausgehalten, ohne Handy, ohne TV, ohne To-do-Druck?

Wenn wir Leerlauf zulassen, passiert etwas Schönes. Wir erinnern uns an Dinge, die wir lieben: Stricken, malen, puzzeln, lesen, töpfern…
Was ist es bei dir?

Diese Beschäftigungen bringen unser (Kinder-)Herz zum Lachen und unsere Augen zum Leuchten.

Überreife Leistung?!

Ich merke, dass ich heute nicht mehr ganz so leicht und witzig blogge wie früher. Damals habe ich beim Schreiben weniger nachgedacht und mehr gelacht.

War das besser?
War es einfach die Zeit?
Oder ist es gut so, wie es jetzt ist?

Vielleicht wird’s ja wieder. Ich bin ein guter Jahrgang – und vor Kurzem wieder ein Jahr älter geworden. 😉

Kennst du diese Selbstzweifel, gegen die man eigentlich ist, und die trotzdem da sind?
Ich sehe es nicht ein! Ich bin mein härtester Kritiker – schlimmer kann’s von außen auch nicht kommen. Also: Innerer Kritiker, du bist entlassen.

Und genau da kommt Integrität ins Spiel:
Mein innerer Kritiker schreit gern Dinge, die nicht mal annähernd meiner Wahrheit entsprechen.
Integrität ist dann wie ein freundliches „Danke, aber nein danke.“

Sie sagt:
„Ich höre dich.
Aber ich handle nach dem, was wirklich stimmig für mich ist.“

Vielleicht ist das die erwachsene Form des Cartoon-Arschtritts:
Der Kritiker fliegt raus – und Integrität zieht ein.

Aufgegeben wird nicht.
Es zieht mich immer wieder hierher. Ich liebe es, zu beobachten, wie aus einem weißen Blatt etwas entsteht – beruflich wie privat. Ein Wort, eine Idee.
Das bin ich.

Und vielleicht hat genau diese Mischung aus Begegnung, Leerlauf und unerwarteter Freiheit heute etwas in mir geöffnet.
Denn sobald ich einmal zur Ruhe komme, passiert etwas, das ich eigentlich schon kenne – meine Kreativität meldet sich zurück. Still zuerst, wie ein kleines Klopfen: „Hey, ich bin auch noch da.“

Vielleicht ist es das, was wir so selten zulassen: genug Raum, damit etwas Inneres wieder hörbar wird. Wenn wir nicht von Termin zu Termin rennen, wenn wir keinen Plan abarbeiten müssen, sondern einfach sein dürfen… dann entsteht plötzlich etwas. Ein Gedanke, ein Gefühl, eine Idee. Und oft ist genau das der Anfang von Kreativität.

Create an environment

Where you’re free to express

What you’re afraid to express.

– Rick Rubin

Ich lese gerade The Creative Act von Rick Rubin – sehr inspirierend.
Viele kreative Menschen hadern damit, sich zu zeigen. Rubin begegnet Zweifeln mit einem einfachen „Okay, dann hör halt auf.“ Und genau in diesem Moment merken die Künstler, dass sie gar nicht aufhören wollen.

Vielleicht ist das der Kern:

Kreativität ist Ausdruck der Seele.

Du kannst ihr nicht ewig im Weg stehen.
Weil es dich nur einmal gibt, bist du unsicher. Es gibt keine Blaupause. Nur Mut. Und dich.

Art creates a profound connection between the artist and the audience. Through that connection both can heal.

– Rick Rubin

Du bist dein Gamechanger.

Früher oder später wirst du dafür belohnt – durch mehr Selbstanerkennung oder durch Feedback von außen. Wenn du ehrlich bist, kannst du dabei nur gewinnen.

Eine Ente setzt man schließlich auch ins Wasser und nicht vor eine Kletterwand. Die richtige Umgebung ist entscheidend.

Warum interessiert uns so sehr, was andere denken?!

Wir hören es doch gar nicht.
Wir befürchten so viel, was nie passiert.

Es ist, als ob man ein Pflaster auf eine Wunde klebt, die es gar nicht gibt. Aber beim Abziehen tut’s trotzdem weh…

Gedanken sind nur Vorschläge

Glaubst du wirklich alles, was du denkst?
Manche Gedanken kommen wie Wolken und ziehen vorbei. Andere sind wie nervige kleine Äffchen.
Aber nicht jedes Äffchen hat einen Termin bei dir!

Also:
„Der Nächste bitte.“
„Ah nein, dafür bin ich heute nicht zuständig.“
Oder einfach ein Cartoon-Arschtritt: 🐒💥😉

Stop overthinking.
Ordnung schafft Erleichterung – auch im Kopf.

MinimaLisa

Solange ich nicht weiß, was passiert, räume ich auf – im Kopf und in der Wohnung. Ich mache Platz für Neues.

Bevor Kapazitäten knapp werden, kümmern wir uns besser rechtzeitig um unsere Ressourcen.

Was, wenn…
…es gut läuft?
Dann bin ich bereit.

Ich gebe mein Bestes. Und das ist genug.

Es darf einfach sein. Oder einfacher als gedacht.

Vielleicht geht es genau darum:
Konfrontation statt Kontrolle.
Präsenz statt Perfektion.
Integrität statt Anpassung.

Integrität ist dieser stille Mut, bei sich zu bleiben – auch dann, wenn niemand applaudiert.
Und vielleicht ist das die Art von Stärke, die uns trägt, uns heilen lässt und uns kreativ macht.

Weil sie sagt:
„Ich bin ich. Und ich darf so sein.“


Jetzt gehe ich schlafen. Ich habe meine Bedürfnisse zu lange ignoriert und bin erschöpft.
Es ist Zeit, aufzuladen.

Hier ist es inzwischen kühl, draußen eisig (Mitte November), und ich mache es mir gemütlich.

Lasst es euch auch gutgehen.

Gönn dir.
Der Herbst ist für Ruhe da, für Rückzug und Erholung.

Unsere Aufgabe ist es, uns zu pflegen, damit unsere Wurzeln stärker werden und wir im Frühling in den schönsten Farben blühen 🙂

Ich freue mich über Kommentare und Feedback.
Danke für dich und deine Zeit.

Deine Lisa

P.S.: To live a creative life, we must lose our fear of being wrong.